Mit dem Zug durch Kambodscha – Fahrplan, Tickets und Tipps

Nachdem 2009 der Eisenbahnverkehr in Kambodscha eingestellt wurde, hätten wohl nur kühnste Optimisten damit gerechnet, dass es heute wieder tägliche Personenzüge gleich auf zwei Strecken gibt. Die nördliche Achse führt von der Hauptstadt Phnom Penh über Pursat nach Battambang. Die südliche Route verbindet Phnom Penh mit Sihanoukville und führt dabei über Takeo und Kampot.

Wie gut auf der Karte zu sehen, liegt Siem Reap abseits der nördlichen Verbindung, so dass ein Besuch des Weltwunders Angkor Wat per Bahn nicht möglich ist. Seit der Corona-Pandemie wird der Abschnitt von Battambang nach Poipet an der thailändischen Grenze nicht mehr bedient. Das ist doppelt ärgerlich, da der Grenzübergang nach Thailand äußerst beliebt bei Touristen ist und die Züge dank gleicher Spurweite sogar durchfahren könnten.

Aktuell gibt es Pläne, beide Strecken auf Hochgeschwindigkeitsverkehr auszubauen, allzu konkret ist der Entwurf aber noch nicht. Als dritte Strecke ist zudem eine Verbindung von Phnom Penh in östliche Richtung in Diskussion, die eine Verbindung nach Vietnam schaffen könnte.


Bleiben wir bei der Gegenwart und schauen uns die Fahrpläne an, ist unschwer zu erkennen, dass man gern mit dem Zug fahren muss, um eine der Strecken ernsthaft als Alternative zu den schnelleren Bussen zu betrachten.

Für die etwa 275 Kilometer nach Battambang sind stolze 7,5 Stunden angesetzt, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von unter 40 km/h entspricht. 6 Stunden benötigt der Zug nach Sihanoukville, etwa 265 Kilometer von Phnom Penh entfernt. Damit ist er kaum schneller.


Anders als die Busse und vor allem Minivans habt ihr im Zug aber enorm viel Platz. An den meisten Tagen sind weniger als 50% der Sitzplätze belegt. Entsprechend fühlen sich eure Knie und Beine weniger in Mitleidenschaft gezogen an als wenn ihr im Kleinbus unterwegs wart, in dem nicht selten mehr Tickets verkauft werden als offiziell Plätze sind.

Auch die Abfahrt oder Ankunft im wunderschönen Bahnhof von Phnom Penh ist sicher ein nicht zu verachtendes Argument. Land und Leute lassen sich aus dem Zug heraus ohnehin viel besser beobachten.

TGLTGL
15:00Battambang14:00
17:50Pursat11:20
22:30Phnom Penh06:40
TGLTGL
07:00Phnom Penh20:00
09:00Takeo18:05
11:00Kampot16:05
13:00Sihanoukville14:00

Preislich gibt es kaum einen nennenswerten Unterschied zwischen den Zügen und Bussen. Etwa 10€ müsst ihr gerade einmal für die komplette Strecke von Phnom Penh nach Battambang oder Sihanoukville rechnen. Teilstrecken sind etwas günstiger.

Und ihr könnt eure Tickets inzwischen sogar online vorab buchen, auch wenn die Züge nur rund um Feiertage wirklich voll werden. Auf easybook.com findet ihr alle Verbindungen inklusive Sitzplatzauswahl. Zahlen könnt ihr mit Kreditkarte oder per PayPal.


Startet ihr eure Reise in Phnom Penh, rechnet mit etwas chaotischen Szenen am Bahnhof. Da beide Züge Richtung Battamang und Sihanoukville im Abstand weniger Minuten fahren, wuseln Fahrgäste mangels Anzeigen und klarer Ansagen zwischen den Bahnsteigen hin und her. In der Praxis ist es aber recht einfach, da der Zug nach Sihanoukville meist erst bereit gestellt wird, nachdem der Triebwagen nach Battambang den Bahnhof pünktlich um 6:40 Uhr verlassen hat.

Auch wenn in der E-Mail-Bestätigung zu eurem Ticket etwas anderes steht, müsst ihr vor Abfahrt nicht zwingend noch einmal zum Fahrkartenschalter. Dieser ist ohnehin so gut wie immer völlig unterbesetzt gegenüber der Masse an Leuten, die ihr Ticket noch kurzfristig am Bahnhof kaufen möchten.

Stattdessen zeigt ihr im Zug die Bestätigungsmail ausgedruckt oder auf dem Smartphone vor, der Schaffner macht dann einfach ein Foto. Auch wenn ihr bei der Buchung Sitzplätze ausgewählt habt, ist es unwahrscheinlich, dass ihr dort sitzen werdet. Entweder gibt es den Wagen gar nicht erst oder es ist eine andere Baureihe unterwegs. Sucht euch stattdessen einfach einen schönen Platz und genießt die Fahrt.


Einen Speisewagen gibt es nicht an Bord. Deswegen bringt euch am besten Snacks und Getränke mit. An den Unterwegsbahnhöfen könnt ihr auch allerlei Leckeres von den fliegenden Händlern erwerben. Ab und zu sind moderne Wagen angehängt, in denen ihr sogar einen Stromanschluss am Sitzplatz habt. Aber darauf verlassen solltet ihr euch keinesfalls.

Aufgrund der fehlenden Verbindung nach Siem Reap, zur thailändischen Grenze oder nach Vietnam lassen sich Fahrten mit dem Zug in Kambodscha nicht allzu einfach oder sinnvoll in Rundreisen einplanen. Am interessantesten ist sicher noch die Strecke zwischen Phnom Penh und Sihanoukville, von wo aus ihr weiter in die vorgelagerte Inselwelt fahren könnt.

Von Sihanoukville aus lassen sich auch recht brauchbare Verbindungen von (Klein)bus und Fähre auf die vietnamesische Insel Phu Quoc buchen. Die Fahrzeit ist mit 7,5 Stunden weniger erschreckend als man annehmen würde. Schneller geht es selbst mit dem Flieger von Phnom Penh aus nicht mangels Flugverbindungen.


Von Battambang gibt es mehrfach täglich Minibusse sowohl nach Poipet an die thailändische Grenze wie auch nach Siem Reap zur Besichtigung von Angkor Wat. Gleich hinter der Grenze liegt der Bahnhof Ban Klong Luk, an dem 7 Uhr morgens und kurz vor 14 Uhr ein Zug ohne Reservierungspflicht nach Bangkok fährt. Von Siem Reap gibt es auch durchgehende Busse und Flieger in die thailändische Hauptstadt.

Wollt ihr von Phnom Penh nach Vietnam, bucht ihr am besten einen Bus. Diese fahren mehrfach täglich, benötigen 6 bis 7 Stunden bis Ho-Chi-Minh-Stadt und kosten je nach Busgesellschaft 20 bis 30 Euro. Auch Flieger gibt es mehrfach täglich, aber diese kosten in der Regel über 100€.