Neuseeland mit dem Zug – Die schönsten Strecken, Ticketkauf, Scenic Railpass & Rundreise-Empfehlungen

Totgesagte leben länger trifft auf die Eisenbahnen Neuseelands wohl sehr gut zu. Im Rahmen der vielleicht gut gemeinten, aber schlecht organisierten Privatisierung Anfang der 1990er Jahre verschwand nach und ein nach ein Großteil des Personenverkehrs von der Bildfläche.

Erst nachdem der neuseeländische Staat das Netz zurückgeholt hatte, erkannte man das Potential der landschaftlich spektakulären Strecken für touristischen Verkehr. Dieser ist heute neben dem Vorortverkehr rund um Auckland und Wellington die einzige Option, Neuseeland auf der Schiene kennenzulernen.

Klassische InterCity-Züge gibt es entsprechend auch nicht in Neuseeland. Der öffentliche Verkehr wird überwiegend durch die Busunternehmen des Landes ab gedeckt. Die drei Züge Northern Explorer, Coast Pacific und TranzAlpine, mit denen ihr von Auckland nach Wellington bzw. nach etwa 4-stündiger Fährüberfahrt von Picton nach Christchurch sowie nach Greymouth fahren könnt, sind im Rahmen von ein- oder mehrtägigen Touren buchbar. Tickets für einzelne Etappen sind (etwas versteckt) auch buchbar.


Northern Explorer (Auckland – Wellington)

Jeweils drei Mal pro Woche geht es mit dem Northern Explorer südwärts von Auckland nach Wellington oder in nördliche Richtung zurück. Fahrt ihr die komplette Strecke, seid ihr den ganzen Tag unterwegs und zahlt mindestens 199 NZD, aktuell also etwa 114€. Einzelstrecken sind entsprechend günstiger.

MO,DO,SAVERKEHRSTAGEMI,FR,SO
07:45Auckland19:00
08:35Papakura18:05
10:15Hamilton16:25
10:50Otorohanga15:45
12:25Taumarunui14:10
13:15National Park13:15
13:45Ohakune12:45
16:20Palmerston North10:00
17:30Paraparaumu08:45
18:25Wellington07:55
Aktueller Fahrplan / Café-Menü

Etwa auf halber Strecke, bedient durch die Stopps in Okahune und National Park, streift der Zug den berühmten vulkanischen Tongariro Nationalpark. Hier lohnt ein mehrtägiger Aufenthalt für Wanderungen im Park oder einen Ausflug zum nahen Lake Taupo. Von Otorohanga aus könnt ihr wiederum die Waitomo-Höhlen mit ihren Glühwürmchen erkunden.


Coastal Pacific (Picton – Christchurch)

In der Hauptsaison täglich, sonst nur Donnerstag bis Sonntag verkehrt der Coastal Pacific auf der Südinsel von Christchurch nach Picton und wieder zurück. In Picton habt ihr dabei Anschluss an die Mittagsfähre von oder nach Wellington auf der Nordinsel.

Die einfache Fahrt könnt ihr ab 177 NZD buchen, momentan also etwas über 100€. Einzelstrecken sind auch hier etwas günstiger.

14/12-28/04
TÄGLICH
29/04-13/12
DO – SO
VERKEHRSTAGE14/12-28/04
TÄGLICH
29/04-13/12
DO – SO
07:00Christchurch19:30
07:30Rangiora18:45
10:00Kaikoura16:25
12:10Blenheim14:05
12:40Picton13:40
ANSCHLUSS MIT DER FÄHRE
14:15Picton12:15
17:50Wellington08:45
Aktueller Fahrplan / Café-Menü

Kaikoura ist sicher der spannendste Unterwegshalt. Die Kleinstadt am Ozean ist bekannt für ihre grandiosen Bootstouren zur Beobachtung der Wale und Delfine in der lang gezogenen Bucht rund um den Ort.


TranzAlpine (Christchurch – Greymouth)

Von Christchurch in westliche Richtung einmal quer durch die neuseeländischen Alpen verkehrt der TranzAlpine. Endstation ist Greymouth, wo ihr Anschluss sowohl an einen Bus südlich nach Fox Glacier wie auch nördlich nach Nelson habt. Dadurch lässt sich die Fahrt besonders gut in eine Rundreise über die Südinsel integrieren.

Die einfache Fahrt von Christchurch nach Greymouth oder umgekehrt kostet euch hier mindestens 199 NZD, etwa 114€.

22/09-01/05
TÄGLICH
02/05-21/09
FR – MO
VERKEHRSTAGE22/09-01/05
TÄGLICH
02/05-21/09
FR – MO
08:15Christchurch19:00
08:35Rolleston18:35
08:55Darfield18:10
09:20Springfield17:45
10:50Arthur’s Pass16:30
12:05Moana15:05
13:05Greymouth14:05
ANSCHLÜSSE MIT DEM BUS
13:30Greymouth13:15
17:40Fox Glacier08:30
13:30Greymouth13:15
19:15Nelson07:15
Aktueller Fahrplan / Café-Menü

Die Strecke beginnt zunächst recht langweilig mit der eher langweiligen Fahrt durch die Vororte von Christchurch. Spannend wird es hinter Darfield, vor allem aber ab Springfield, wenn sich der Zug den Weg entlang von Flüssen durch die schmalen Täler bahnt. Mit dem Arthur’s Pass erreicht ihr den Höhepunkt der Strecke, bevor sich der TranzAlpin langsam wieder hinab nach Greymouth schlängelt.


Zugtickets und Bahnpässe

Wie oben in den Preisbeispielen zu sehen, sind Zugfahrten in Neuseeland kein Schnäppchen, sondern klar auf die touristische Vermarktung ausgelegt. Das liegt auch daran, dass abgesehen vom öffentlichen Nahverkehr in Wellington oder rund um Auckland keine Subventionen für den Betrieb gezahlt werden. Es gibt allerdings auf den meisten Strecken parallel verkehrenden Busverkehr, falls ihr mit kleinem Budget unterwegs seid.

Die Ticketpreise schwanken zudem zwischen der Sommer- und Wintersaison, hängen aber auch von der Nachfrage und dem Wochentag ab. Einen exakten Preis seht ihr also erst nach Eingabe eurer Wunschdaten.

Bevorzugt versucht euch Great Journeys New Zealand, der Brand, unter dem die Bahnreisen vermarktet werden, vor allem ganze Touren zu verkaufen, also inklusive Verpflegung und Hotels. Ähnliche Angebote findet ihr auch online oder in Reiseagenturen vor Ort. Trotz der eher hohen Kosten für Unterkünfte und Restaurants in Neuseeland lohnt es sich unserer Meinung nach aber nur selten, solche Paketangebote zu buchen. Durch die individuelle Planung spart ihr euch einfach die gewaltige Marge der Veranstalter.

Entsprechend ist es aber auch gar nicht so einfach, auf der Website von Great Journeys New Zealand Einzeltickets zu kaufen, im Vordergrund stehen die teuren Tourangebote. Entweder ihr hangelt euch von der jeweiligen Unterseite der Züge zur Buchung durch oder ihr nutzt diesen direkten Link in die Buchungsmaske.

Konkrete Sitzplätze könnt ihr während der Buchung nicht auswählen. Aber ihr habt die Möglichkeit, eure Präferenzen (also zum Beispiel Fenster oder Gang) im Buchungsverlauf unter „Additional Notes“ anzugeben.


Eine gute Alternative zu den Einzeltickets sind Bahnpässe. Diese lohnen sich vor allem dann, wenn ihr euch nicht schon monatelang im Voraus auf eine Strecke und einen Tag festlegen möchtet, um die günstigsten Preise zu ergattern.

Schnäppchen könnt ihr auch hier nicht erwarten, dafür aber alle Strecken auch in der Hauptsaison zu einem fixen Preis bereisen. Aber Achtung: Ihr müsst mindestens 72 Stunden vor Abfahrt euren Platz reservieren, was leider nur manuell per E-Mail oder telefonisch funktioniert.

Es gibt in der Sommersaison Pässe für 3 bis 7 Tage innerhalb eines Monats. Neben den Zügen ist auch die Fähre zwischen Nord- und Südinsel schon dabei, die sich gut mit dem Coastal Pacific auf einen Tag legen lässt.

Im Winter gab es letztes Jahr etwas günstigere Pässe für eine, zwei oder drei Wochen am Stück. Allerdings fahren die Züge auf der Südinsel dann auch nur rund um die Wochenenden. Ob die Pässe ab Mai dann auch dieses Jahr wieder im Angebot sind, ist noch unklar.

Erw.
(ab 15 J.)
Kind
(2-14 J.)
3 Tage$886
€506
$598
€342
4 Tage$999
€571
$690
€394
5 Tage$1139
€651
$775
€443
6 Tage$1239
€708
$919
€525
7 Tage$1359
€777
$999
€571
Aktuelle Preise unter Scenic Rail Pass (Umrechnung NZ$ in € vom 4.1.2024)


Die Pässe lassen sich sehr gut mit dem Flexi Pass der InterCity-Busse verbinden. Teilweise sind die Fahrzeiten sogar aufeinander abgestimmt wie im Beispiel von Greymouth. Dort besteht ein guter Anschluss vom TranzAlpine nach Fox Glacier und Nelson.

Ihr kauft euch ein bestimmtes Kontingent an Stunden, das ihr anschließend in den Bussen per Reservierung einlösen könnt. Die Fahrzeit laut Fahrplan wird dann einfach automatisch abgezogen. Das lohnt sich vor allem auf der Südinsel, wo die Touristenbusse zwischen Greymouth, Fox Glacier und Queenstown, zum Milford Sound oder zum Mount Cook ebenfalls im Pass enthalten sind, die einzeln gebucht als Tour ein Vielfaches kosten.


Erlebnis an Bord der Züge

Alle Zügen haben ein Café an Bord, wobei man schon fast von einem Speisewagen sprechen kann. Es gibt zahlreiche Snacks, aber auch Hauptspeisen sowie eine große Auswahl an heißen und kalten Getränken inklusive Bier, Wein und Cider. Die Speisekarten sind online verfügbar und wir haben sie euch oben beim jeweiligen Zug verlinkt.

Im Normalfall ist auch ein offener Wagen eingereiht, aus dem ihr perfekt fotografieren oder filmen könnt. Eine Platzreservierung ist weder möglich noch nötig. Wenn ihr aber ein bestimmtes Fotoziel habt, solltet ihr euch rechtzeitig dorthin begeben. Zieht euch unbedingt etwas Warmes an und vergesst die Sonnencreme nicht.

In der Armlehne eures Sitzes ist ein Kopfhöreranschuss integriert. Über diesen könnt ihr, allerdings nur auf Englisch oder Mandarin, interessante Geschichten rund um die Reise sowie zur Geschichte und Kultur Neuseelands hören.

Neben den Panoramawagen gibt es auch einen der 1. Klasse, Scenic Plus genannt. Diesen könnt ihr bei Buchung auswählen, wenn noch Plätze verfügbar sind. bevorzugt werden dort aber Reisegruppen und Teilnehmer der teuren Touren platziert.

In der Scenic-Plus-Klasse sind Mahlzeiten und Getränke, auch alkoholische, im Preis enthalten. Diese werden zudem am Platz serviert. Dazu kommt bevorzugte Behandlung beim Einsteigen sowie die Möglichkeit, das große Gepäck einzuchecken.